„Du bist nicht deine Vergangenheit. Und trotzdem ist sie ein Teil von dir“. Diese Worte hatte ich neulich im Eichholz gelesen, nachdem ich ein paar Worte über meine aktuelle Gefühlslage und meine Vergangenheit geschrieben habe. Kurz darauf las ich einen weiteren Satz auf Instagram, er inspirierte mich meinen Monatsrückblick umzuformulieren.

Ich liebe es zu schreiben, zu reflektieren, zu hinterfragen und meine Gedanken mit dir zu teilen. Doch ich wollte nicht darüber schreiben, was wäre wenn ich andere Entscheidungen in meiner Vergangenheit getroffen hätte. Auch wenn sie ein Teil von mir ist, kann ich die Vergangenheit nicht ändern. Ich kann nur den Blickwinkel ändern und mich fragen was das Leben, das Universum, Gott oder wie wir es auch nennen möchten, mir sagen will oder ich aus den gemachten Entscheidungen lernen darf. 

Ja, ich sass im wunderschönen Campingbeizli Serini im Eichholz und schwelgte mit meinen Gedanken in den letzten Wochen. Es ist so viel passiert. Sei es die tolle Zusammenarbeit mit Stefanie von Feingefühl, welche mir ein wunderschönes Logo nach unserer Brandingtour erschaffen hat und mich dazu ermutigt hat, mutig zu sein und zu springen. Oder mein erstes Interview das ich geben durfte und die Gelegenheit erhielt, meine für mich sehr schmerzliche Geschichte und über mein Herzensprojekt zu erzählen. Mein bester Freund der mir gezeigt hat, dass ich mich nicht mehr über mein Äusseres definieren muss. Die Überarbeitung meiner Website und Überlegungen neuer Angeboten und Dienstleistungen. Die Neugestaltung meines Wohnzimmers. Mein neue Frisur – einmal oben ohne und einmal mit Perücke. Und das Bewusstsein wie viel Gefühle sich doch in mir befinden, die ich immer wieder versuche zu unterdrücken. Obwohl ich mir all dessen bewusst bin und dankbar bin für all das was in meinem Leben zurzeit läuft, fühle ich mich nicht wohl. Die Übelkeit plagt mich durch den Tag hindurch immer wieder und ich frage mich ob es daran liegt, dass ich mich selbst überfordere oder ob ich mich in einem Gefängnis halte oder ob ich zu sehr in der Vergangenheit bin und mich mit der aktuellen Situation nicht anfreunden bzw. nicht annehmen kann und will.

Ist es ein Gefängnis der Vergangenheit? Ein Gefängnis meiner Emotionen und Gefühle? Ein Gefängnis das ich mir selbst aufgebaut habe? In diesem Moment kamen mir auch die Worte von Elizabeth Gilbert (Eat, Pray, Love) in den Sinn: „Man muss sich ständig selbst befreien. Man muss sich jeden Tag selbst befreien. Von Kleinigkeiten. Und immer wieder auch im großen Stil. Das wird weiterhin passieren. Man befreit sich von etwas, und man fällt wieder in etwas hinein, was sich wie ein Gefängnis anfühlt. (…) Das gleiche gilt für Beziehungen. Eine Beziehung, die sich an einem Punkt deines Lebens wie Freiheit anfühlt, in der du endlich die Person getroffen hast, die dich komplett befreit, kann sich mit der Zeit verändern. Das kann zum… Gefängnis ist ein starkes Wort. Es klingt nach Brutalität. Das kann zu einem Ort ohne Freiheit werden. Man muss weiterhin gewillt sein, sich selbst aus dem Gefängnis zu befreien. Mehrmals im Leben. Viele viele Male im Leben. Das Gleiche gilt für deinen Wohnort. Du findest eine schöne Wohnung, von der du schon immer geträumt hast. In der du dich frei fühlst. Sieben, acht, zehn, zwölf Jahre später, ist es vorbei. Die Energie ist raus. Ich glaube, dass Menschen und Orte aus einem Grund in unseren Leben sind. Und auch nur für eine Zeitspanne. Und wenn es keinen Grund mehr gibt und die Zeitspanne um ist, dann ist es an der Zeit weiterzugehen. Wenn du nicht wach bleibst, an den Orten deines Lebens, die dich einschläfern… Du muss wach bleiben, um dir beim Einschlafen zuzusehen. Ich schlafe ein…Wenn du aber glücklich bist, wenn du dich einlebst, wenn es sich wirklich gut anfühlt, dann bleibe. Verändere nicht nur der Veränderung wegen. Der deutlichste Hinweis für mich, dass ich aus der Situation heraus muss, oder aus einer Beziehung, oder aus einem Arbeitsumfeld, oder aus der Geografie, ist, dass ich anfange Schmerzen zu empfinden.“

Das hört sich für mich so einfach an, doch bei der Umsetzung merke ich immer wieder wie schwer es für mich ist und welche Herausforderung meine eigene Befreiung darstellt. Was meine Gefühle, Gedanken und Emotionen betrifft lüge ich mich immer noch selbst an und bin weder gegenüber mir selbst noch meinem Umfeld ehrlich. Die Angst begleitet mich immer wieder. Die Angst vor Ablehnung, wenn ich meinen Weg nun gehe. Manchmal ist sie stärker als an anderen Tagen. Ja, und das Thema loslassen ist auch immer wieder da und begleitet mich bereits mein ganzes Leben. Es gibt Tage da verurteile ich mich, dass ich so für mich etwas komplizierter Mensch bin und ich mich immer wieder selbst für die unangenehme Situation entschiede und doch bin ich der ganzen festen Überzeugung, dass es genau so richtig ist, bis ich es verstanden habe, bis ich keine Angst mehr habe, bis ich loslassen kann und bedingungslos lieben kann. Bis ich mich aus dem Gefängnis befreit habe!