Reisevorbereitung.

Eigentlich wollte ich meine Reise in Sizilien planen. Doch eine Biene hat mich gestochen und so habe ich gerade Lust mit meinem Blogartikel über Sizilien zu starten. Ich bin nicht die grosse Planerin, bzw. bin es nicht mehr. Das Leben hat mir gezeigt, dass ich im Leben nicht alles planen kann. Sei dies im Beruf, in der Liebe, bei Freunden oder eben beim Reisen. Gerade beim Reisen, insbesondere in Island, machte es keinen grossen Sinn zu planen, denn das Wetter macht was es will und so ist Flexibilität eine wichtige Voraussetzung, um das Reisen zu gniessen. Aus diesem Grund habe ich mich dazu entschieden ein paar Sehenswürdigkeiten herauszupicken die mich „glustig“ machen und stelle eine grobe Reiseroute zusammen, die aber eine gewisse Flexibilität hat.
 
Endlich ist es soweit.
4. Mai 2019 – 10.00 Uhr. Ich und meine Mam sitzen im Flieger und kann es kaum erwarten bis sich das Flugzeug abhebt. Nach einem gelungen Start – erstreckt sich nach ein paar Minuten unter uns das Wolkenmeer, ich spähe aus dem Fenster und halte nach dem Meer Ausschau. Endlich geht das Abenteuer Sizilien los. Nach ca. 120 Minuten stehen wir bereits auf sizilianischem Boden. Als wir unser Gepäck in Empfang genommen haben, begeben wir uns zur Autovermietung. Es stellt sich als kleine Herausforderung heraus, bis wir einmal das Autovermietungsbüro und unser kleiner Weggefährte in Empfang nehmen können. Nach einer gefühlten Ewigkeit sitzen wir nun in unserem graumelierten Fiat Panda. Leider ist nichts aus dem süssen, weissen Fiat 500 geworden, doch der kleine Kerl zeigt sich von seiner besten Seite.
 
Einmal Quer durch Sizilien.
Kaum sind wir auf der Strasse, muss ich mich einmal an den sizilianischen Fahrstil gewöhnen. Die Sizilianer kommunizieren über Aufblenden und Hupen und fahren auch flott auf, ein funktionierendes System, da sie sich als rücksichtsvolle Fahrer zeigten. Wir fahren einmal quer durchs Land, begleitet von vielen Grünflächen, Schafen und Frühlingsblumen. Das Wetter spielt leider nicht wirklich mit und der Ätna versteckt sich hinter dem Wolkenmeer. Nach ca. Anderthalbstunden Autofahrt erblicken wir das Meer. Der Blick ist atemberaubend, leider kann ich dieser Schnappschuss nicht einfangen – Autofahren und Fotografieren ist eine schlechte Kombination. Kurz darauf fahren wir durch Palermo hindurch, dies zeigt sich an den vielen Autos und am stockenden Verkehr. Mit guter Musik und amüsanten Gesprächen bleiben wir unserem Ziel treu.

Trapani.
Nach drei Stunden erreichen wir Trapani. Der Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet Sicher. Der Name passt perfekt, denn die Altstadt befindet sich auf einer schmalen Landzunge. Unser Navigationssystem führt uns zu unserem wunderschönen Hotel Relais Antiche Saline. Das Hotel befindet sich bei den Salinen – als wir unser Gepäck im Zimmer deponiert und uns etwas wärmer angezogen haben, staunen wir nicht schlecht, als wir sehen, wie das Salz gewonnen wird. Das Bild wird mit kleinen, süssen Windmühlen vervollständigt. Den Abend geniessen wir im danebengelegen Restaurant.

Von Kopfsteingassen zum Naturreservat.
Wow, was für ein Start in den Tag. Das Frühstück nehmen wir in unserem Hotel ein. Vom guten italienischen Kaffee, bis zum frischgepressten Blutorangensaft, süsse Croissant, Müesli oder Antipasti – ein Paradies für jede/-n Frückstücksliebhaber/-in, dass das Herz definitiv höher schlagen lässt. Als wir unseren kleiner Wertgefährte auch mit Benzin gefüllt haben, beginnt die Reise Richtung Trapani. Kopfsteingassen, süsse Innenhöfe und eine Historische Burg werden von uns entdeckt. Auf dem Weg zum Auto erblicken wir auch eine kleine süsse Gasse, die voll mit kleinen Geschäften ist. Es geht auch nicht lange bis uns ein charmanter Sizilianer anspricht und uns die Einheimischen Spezialitäten etwas näher vorstellt. Auch hier finden wir alles was das kulinarische Herz höher schlagen lässt, Schokolade, Crema di Pistacchio oder Pistacchio di Pesto, Pasta und das hausgemachte Salz. Ich kann natürlich nicht widerstehen und kaufe mir eine Kleinigkeit. Als wir unseren Weg zum Auto fortsetzen, sage ich meiner Mutter „Weisst du, das Land lernst du doch erst durch die Küche und die Menschen, die die Mahlzeiten zubereiten, kennen.“

Nach einer kurzen Autofahrt rüsten wir uns aus – leider stellen wir rasch fest, dass wir das Eine oder Andere im Auto vergessen hatten. Wir erkundigen das Riserva Natura orientata dello Zingaro. Es erwartet uns ein 7km langen, unberührter Küstenabschnitt, mit steilabfallenden Felsen, kleinen idyllischen Buchten und kristallklarem Wasser. Verschiedenen Wanderwegen stehen uns zur Auswahl und so entscheiden wir uns im Schutzgebiet die Grotta dell’Uzzo anzusehen und lassen uns wegen den vergessenen Sachen nicht den Spass verderben. Die Grotte wurde von 10’000 Jahren bewohnt und gehört zu den wichtigsten archäologischen Stätten.

Bei einem Caffee freddo im Hafen von Castellammare des Golfo entscheiden wir uns bis nach Cefalù zu fahren, um dort eine weitere Nacht zu verbringen. Ursprünglich wollten wir in einem Agriturismo übernachten, jedoch stellte es sich als eine etwas turbulente Fahrt heraus. Zudem hatte ich etwas bedenken wegen unserem kleinen Gefährten. So entschieden wir uns eine Übernachtungsmöglichkeit am Meer zu suchen. Und so stand ich nach ca. 30 Minuten vor einem Bungalow mit Sicht aufs Meer. Die Sonne zeigte sich an diesem Tag noch einmal zum letzten Mal von ihrer schönsten Seite – küsste mich, verabschiedete sich und die Nacht sagte schon „Hallo“.

Das Hinterland.
Nach bereits 370 gefahrenen Kilometer geht es am nächsten Tag ins Hinterland. Dort erkundigen wir einsame Bergdörfer und -städte, die in der wunderschönen Landschaft von Madonien liegen. Das erste Dorf erreichen wir nach ein paar Autominuten. Cestalbuono, ein attraktiver Ort der sich selbst als Hauptstadt der Madonien bezeichnet. In der Stadt gibt es die Ventimiglia-Festung oder die Kirche Matrice Vecchia zu bestaunen. Zurück im Auto geht es immer weiter bergauf und die Aussicht wird immer atemberaubender. Wir besichtigten die Dörfer Geraci Siculo, Petralia Sporana und Petralia Sottana. Süsse Dörfer die alle ihren eigenen Charme haben und entdeckt werden möchten. Begleitet von Wind, Nebel und Schnee erreichen wir Piano Battaglia, eine Stadt die sich auf der Höhe von 1865m befindet. Es ist die höchste Siedlung der Madonien. Danach geht es steil absteigend Richtung Cefalù. Nach einem typischen italienischen Mittagessen an der Hafenpromenade, erwartet uns in der Altstadt von Cefalù enge Gassen und eine prächtige Kathedrale.
 
Die Altstadt wird durch die Doppeltürme des Doms und die elegante, von Palmen beschattete zentrale Piazza, die zum Gelattiessen einlädt, dominiert. Als wir durch die Gassen laufen, bleiben wir an einer Menschenmenge stehen und gehen die Treppen hinab. Da entdekcen wir Il Lavatoio, ein aus der arabischen Zeit stammender und noch bis in die 1980er-Jahre genutzter Waschplatz.

Weiter Richtung Magna Graece.
Wir wollen mehr und so haben wir uns entschieden unsere Reise Richtung Südosten fortzusetzen. Unser Gepäck deponieren wir bei der Ankunft im wunderschönen B&B Temenos. Es wird von einem jungen Ehepaar geführt, das uns herzlich in Empfang nimmt. Nachdem wir ein paar gute Tipps erhalten haben, geht es mit unserem Panda Richtung Siracusa. Gemäss unserem Reiseführer ist es eine der glanzvollsten Städte der Magna Graeca und dem konnten wir absolut zustimmen. Zwischen den zwei geschützten Häfen liegt die Insel Ortygia (=Wachtelinsel) und dieses Örtchen hat es uns angetan. Ortygia ist durch zwei Brücken mit dem Festland verbunden und hat zahlreiche Schätze zum entdecken. Auf der Piazza beim Tempio di Apollo schlürfen wir ein Schweps Tonic mit einem Zitronensorbet und entdecken beim Beobachten der Menschenmenge den Markt. Frisches Obst, Gemüse, Fisch, Nüsse und Gewürze – die Geschmacksnerven haben fleissig zu arbeiten. Die Düfte kann man nicht in Worte beschreiben – man muss sie wirklich erleben, um zu verstehen was da in der Nase passiert. Ich denke es ist selbstverständlich, dass wir nicht nur die Insel entdecken, sondern auch die Spezialitäten von Sizilien. Ein Arancini, ein Cannoli und Gelati standen auf der Liste und ich kann sie absolut empfehlen:o) Es war der Himmel im Mund.

St. Tropez von Sizilien – Taormina.
Am nächsten Morgen verlassen wir Siracusa und machen uns auf den Weg Richtung Toarmina. Die Geschichte dieser wunderschönen Stadt bringt mich zum Nachdenken und gleichzeitig motivieren mich die Zeilen. Die Stadt wurde zweimal zerstört und blühte immer wieder auf. Auch wir haben Hürden in unserem Leben zu meistern und haben jedes Mal aufs Neue die Wahl, aufzusteigen und das Beste aus der Situation zu machen oder den Kopf hängen zu lassen und nur das Negative zu sehen.
 
Auf dem Palazzo Corvaja bleibt mir der Atem weg – das strahlende blaue Meer auf der einen und auf der anderen Seite lächet er am Horizont. Der Ätna. Er ist wunderschön und nimmt so viel Raum ein und präsentiert sich in diesem Augenblick von seiner schönsten Seite. Ich kann es kaum erwarten ihn noch näher zu sehen.

Liebe geht bekanntlich durch den Magen. So gönne ich mir zum Abschluss ein hausgemachtes Cannoli von Pasticceria Gelateria d‘Amore. Ich kann den Besuch absolut empfehlen und du wirst augenblicklich wissen, warum.
 
Nach der Besichtigung fahren wir zu unserem neuen Zuhause für die nächsten drei Nächte. Umgeben von Olivenbäumen, Gräsern und einem wunderschönen Ausblick aufs Meer und selbstverständlich auf den Ätna, finden wir uns an einem wunderschönen Ort wieder, im Agriturismo namens Case Perrotta. Wir haben, so glaube ich, das schönste Zimmer von allen. Es befindet sich auf zwei Stöcken und hat eine riesige Terrasse. Woow, hier darf ich meinen 30. Geburtstag feiern.

Was für ein Geschenk – Danke Ätna.
Nach einem ausgiebigen Frühstück mit allem was das Herz begehrt, machen wir uns mit vollen Bäuchen, Halstücher, Pullover und Jacken im Gepäck auf den Weg Richtung Rifugio Sapienza. Von dort aus führt eine Seilbahn nach oben. Nach oben, ein Stück näher zum Ätna. Auf dieser Höhe ist der Ätna in zwei bis drei Stunden zu erreichen, man gelangt zum höchsten ungefährlichsten Punkt. Ich gehe nicht bis ganz oben, dies aus verschiedenen Gründen. Doch schon nur zu spüren, riechen und schmecken wie es sich auf dieser Höhe anfühlt, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Wir kundschaften die Gegend aus, denn es gibt bereits auf dieser Höhe kleine Krater. Alles ist mit Lavagestein und Sand bedeckt, dank dem heftigen und starken Wind, geniessen wir einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt Catania, diverse kleine Dörfern und aufs atemberaubend schöne Meer.

Es zeigt sich, dass dieser wunderschöne und doch etwas angsteinflössende Vulkan nicht nur Zerstörung bringt. Im Gegenteil. Die rasche Zersetzung der Lava sorgt für fruchtbaren Boden. So ist es nicht verwunderlich, begegnet man in diesem Gebiet auf zahlreiche Weinreben, Orangen- und Zitronenbäumen.
 
Bevor ich mit meiner Mam auf meinen Geburtstag anstosse, muss ich mich einmal duschen. Denn der Lavasand ist so fein, dass er durch jedes Loch, Ritze oder Spalt durchschlingeln kann. So ist es nicht verwunderlich, dass meine Füsse schwarz waren, als ich sie aus den Turnschuhen und Socken befreite. Den Nachmittag geniessen wir nochmals in Taormina. Kaufen uns Gewürze für zu Hause und geniessen erneut den Anblick aufs Meer. Am Abend gönnen wir uns eine Flasche Hauswein und das Menü von Case Perrotta.

Ich bin an diesem Tag mit voller Liebe und Dankbarkeit erfüllt, dass ich folgende Liebeserklärung meiner Familie, Freunden und allen wunderbaren Menschen, denen ich immer wieder begegnen durfte, via Instagram mache: „30. Danke an meine Familie, meine Freunden und wunderbaren Menschen, denen ich in den letzten 30 Jahren begegnen durfte oder mich seit Jahren, Monaten oder auch erst Wochen begleiten. Danke, dass ihr ein Teil meines Lebens seid. Ich freue mich auf euch und all die Menschen, denen ich noch begegnen darf.
Ich danke mir selbst, dass ich mich auf all die wunderbaren und lehrreichen Menschen und Momenten eingelassen habe. Ich hatte gelacht und geweint, ich war wütend und verletzt, ich habe gefühlt und geliebt- all das hat mich stärker gemacht und dazu geführt, mich selbst auf eine neue Weise kennenzulernen und zu entdecken. Ich weiss was ich in meinem Leben will und was nicht, was meine Ziele und Wünsche sind. Ich bin mir näher denn je und freue mich auf alles was ich noch erleben, lernen und spüren darf.“
 
Eine Reise in die Vergangenheit.
Der letzte Tag ist ein Sprung in die Vergangenheit. Nördlich von Taormina liegen Handvoll hübsche Dörfer mit mittelalterlichen Gassen und es erwarten uns stressfreie, authentische und genussvolle Augenblicke. Während der ganzen Reise, erhaschen wir immer wieder ein Blick aufs Meer.

Das Bergdorf Savoca wo gepflasterte Gassen auf Mauerreste treffen und alte Steinhäuser, Paläste, Herrenhäuser und Kirchen zu sehen sind. Dieser Schatz wusste auch der Filmmacher Francis Ford Coppala zu schätzen, denn in der Kirche wurde die Hochzeit aus dem Film „Der Pate“ gefeiert. Auch im nächsten Dörfchen Forza d‘Agrò erwarten uns gleiche Bilder. Es befindet sich ca. dreissig Minuten von Savoca entfernt – mehrere Hügel erstrecken sich auf dem Weg und es ist eine wunderschöne Aussicht zu geniessen. Es ist als wäre die Zeit stehen geblieben und man sich in den 1960er-Jahre befindet. Ein Blick aufs Meer, die Kirche SS. Annunziata und SS. Trinità ist in jedem Fall gesichert. Zum Schluss fahren wir nach Castelmola. Gemäss unserem Reiseführer gehört das Dörfchen mit seinem „mittelalterlichem Ostkern, seinen steilen Gassen und Treppchen zum Klub der schönsten Dörfern Italiens“. Da ich noch nicht viel von Italien gesehen habe, kann ich diese Aussage nicht abschliessend bestätigen, doch sicher ist, es ist ein wunderschönes Dörfchen, wo wiederum einen wunderschönen Blick auf Taormina, die Bucht von Naxos und den Ätna bietet.
 
Nach einem wundervollen Tag in der Vergangenheit geniessen wir unseren letzten Abend wieder in unserer schönen Herberge. Nach einer heissen Dusche, beobachte ich den Sonnenuntergang auf unserer grossen Terrasse, lausche den Vögeln zu und erfahre das pure Leben. Unsere abenteuerliche Entdeckungsreise beenden wir bei einem Glas Hauswein und einem wundervollen Abendessen im Case Perrotta.

Meine Ferien neigen sich langsam aber sicher dem Ende zu. So darf ich am Samstag gesund und glücklich nach Hause reisen. Den Abend zu Hause geniesse ich mit lieben Freunden bei einem vegetarischen Menü von Frau Strauss im Restaurant Zur Kraftquelle. Bevor ich die Woche mit neuer Energie beginne, treffe ich am Sonntag meine Familie und stossen gemeinsam mit ihnen auf unsere wunderbaren Mütter und meinen Geburtstag an.

Danke Sizilien.
Du hast mir gezeigt und mich daran erinnert, dass die kleinen Dinge im Leben, wie Liebe, Dankbarkeit, Familie, Freunde und Natur, zählen. Sizilien, danke für diese wunderbare Woche. Du hast mein Herz erobert und ich komme bald wieder.