Meine Begeisterung zum Fitnesstraining habe ich vor ca. drei Jahren entdeckt. Je mehr ich ins Training ging, desto besser fühlte ich mich. Ich war motiviert und kannte kein Pardon. Das ganze spitzte sich so zu, dass ich bereit war auf alles zu verzichten (Schokolade, Apéro, auswärtsessen, Kohlenhydrate, etc.). Die zunehmenden Hinweise meiner Familie und Freunde ignorierte ich und ich trieb mich noch mehr an. Ein Tag ohne Training gab es bei mir nicht.
 
Im Juli 2016 besuchte ich einerseits das legendäre Gurtenfestival und anderseits das Electrofestival in Belgien. Ich liess es mir mit meiner Kollegin gut gehen und genoss die Festivalzeit. Ich trank das Himbeerbier und «schnouste» mich durch die Fesitvalfoodangebote. Ich genoss die Zeit und dachte keine Sekunde an mein Training. Ja, ich habe an Muskelmasse verloren, doch dies stresste mich in diesem Moment nicht. Als der Alltag einkehrte, motivierte ich mich und fand schnell wieder die Trainingsroutine. Das Fett schwitzte ich weg und die Muskel trainierte ich mir wieder an.
 
Im nächsten Sommer ging ich wieder an die beiden Festivals. Auch in diesem Jahr genoss ich die Zeit und liess es mir noch besser gehen als im letzten Jahr – denn ich wusste was ich schaffen konnte. Momentmal. Ich dachte es zumindest.
 
Es war absehbar und ich wusste, dass sich durch das ungesunde Essen und den höheren Alkoholkonsum die Museklmasse verabschieden wird. Ich genoss die Festivalzeit trotzdem und liess es mir gut gehen. Doch etwas war dieses Jahr anders. Ich hatte eine völlige Krise, als ich wieder zu Hause war und der Alltag an der Tür klopfte. Durch diesen Alltag empfand ich die Verteilung der Muskel- und Fettmasse als enormen Rückschlag und demotivierte mich. Ich verlor den Spass am Fitnesstraining. Ich schleppte mich nur noch jeden zweiten Tag ins Training – jedes Mal eine Qual für mich. Die tägliche Motivation gelang mir zu dieser Zeit nicht mehr. Ich fühlte mich gestresst, weil ich mein Ziel aus den Augen verloren hatte – die Mädels mit ihren super Bodys auf den sozialen Medien waren keine zusätzliche Motivation mehr, im Gegenteil sie frustrierten mich noch. Da ich völlig blockiert war, versuchte ich es mit anderen Trainings: Gruppentrainings, Ausdauer, Probetraining in einem etwas «spezielleren» Fitness oder auch die Umstellung mehr mit dem Eigengewicht zu trainieren. Nichts half. Dieses Spielchen dauerte anderthalb Jahre, bis ich mich im Sommer 2018 entschloss, mein Fitnessabo nicht wieder zu verlängern.
 
Ich hatte drei Monate kein Abo und versuchte in dieser Zeit draussen zu trainieren und versuchte es mit Yoga. Doch auch hier fehlte mir die Motivation. So begann ich zu reflektieren und machte mir viele Gedanken. Dabei wurde mir bewusst, dass nicht der Sport das Problem war, sondern ich selbst das Problem darstellte. Denn jedes Mal verband ich Sport mit dem Wort „Müssen“. So gab ich es auf und machte einfach mal gar nichts mehr…
 
Im Sommer 2018 absolvierte ich zwei Gruppencoachings, las viele Bücher und so habe ich mich auf den Weg begangen, ein anderes Selbstbild zu bekommen. Ganz ehrlich, ich bin noch nicht dort wo ich gerne sein möchte, doch ich komme vorwärts und spüre, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
 
Ich habe gemerkt, dass ich nicht nach einem Idealbild folgen bzw. eines anstreben muss – denn jeder Mensch ist auf seine Art wunderschön. Leider identifizieren wir uns immer noch sehr stark dem Aussen und sehen nicht, dass wahre Schönheit von innen kommt.
 
Für mich persönlich heisst das nicht, dass ich nicht mehr auf mein Äusseres schaue, doch ich sehe es nun mit anderen Augen. Dies führte dazu, dass der Sport für mich nun eine andere Bedeutung hat – ich mache heute Sport, um mich auszupowern, meine Grenzen immer wieder neu zu entdecken und mich Mental zu stärken. Mein neues Fitnessabo löste ich am 30. Dezember 2018 und der Muskelkater zaubert mir wieder ein Lächeln auf die Lippe. Muskelkaterseidank.